Die Sprache des Kosmos

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Astrologie, von der Zukunftsdeutung zur aktuellen Zeitqualität (Teil 1)

Dieser dreiteilige Artikel erschien in den Ausgaben Okt.- Dez. 2012 im Online-Magazin „Mystikum“

Astrologie

Von der Zukunftsdeutung zur aktuellen Zeitqualität

Planetenbeobachtungen in der Vergangenheit

In allen Hochkulturen war die Astrologie, das Beobachten und Deuten der Planetenbewegungen, ein wesentlicher Bestandteil des Alltagslebens. So nutzten zum Beispiel die Maya-Priester die Kenntnisse der Planetenzyklen für ihre Kalenderberechnungen. Auch in der ägyptischen Hochkultur war die Beobachtung der Planetenbewegungen eine zentrale Aufgabe, da sie hauptsächlich dafür genutzt wurde, um Hochwasser des Nils oder andere Naturkatastrophen vorauszusagen. Ebenso wurden mögliche Kriege, oder aber auch günstige Gelegenheiten für Eroberungen von den damaligen Priestern vorhergesagt.  Aber auch in vielen anderen hochentwickelten Kulturen der Vergangenheit, diente die Astrologie hauptsächlich  der Vorschau, um kommende Ereignisse voraus zu sehen. 

Daraus entstand in der Vergangenheit das fixe Bild, das die Astrologie eine Möglichkeit ist, die Zukunft zu deuten und daher bis in die heutige Zeit hinein einen zweifelhaften Ruf besitzt, da solche Zukunftsdeutungen in die Kategorie der Spekulationen fällt und daher unseriös sind.

Entwicklung und Erweiterung

Denn die heute hauptsächlich gebräuchlichste Variante der Astrologie, nämlich die Individual-Astrologie, das heißt die Deutung eines Geburtshoroskops für ein Individuum, entstand erst viel später. Ebenso die weniger bekannte Form der Mundan-Astrologie, dass ist die Beobachtung und Interpretation der Planetenbewegung in Bezug auf das Weltgeschehen.

Die Erfindung des Computers und bestimmter Programme, haben es ermöglicht, dass jeder heutzutage leicht ein Horoskop berechnen lassen kann, ohne Kenntnisse über die Grundlagen der Astronomie und Astrologie zu besitzen. Waren es früher noch Hofastrologen oder Priester, die die tatsächlichen Planeten am Himmelsgewölbe erkannten und ihren Lauf berechnen konnten, so ist dies heute für die Errechnung eines Horoskops nicht mehr notwendig, da dies der Computer übernimmt. Das hat natürlich auch zur Folge, dass kaum jemand der sich mit Astrologie beschäftigt, astronomische Grundkenntnisse besitzt. Und so hat die Astrologie auch heute noch einen Schatten anhaften, der aber nicht nur aus der Vergangenheit stammt, sondern auch von findigen Geschäftemachern heut dazu missbraucht wird, schnell ein paar Deutungen in die Welt zu setzen, die den Kunden vielleicht erfreuen, der wahren Astrologie aber schaden.

Der Jahreslauf der Sonne

Die meisten Menschen wissen aber heute wenn man sie fragt, ihr Sternzeichen und haben auch schnell ein paar Wortassoziationen zur Hand. Wieso es aber zu diesen Assoziationen kommt, dass wissen wiederum die wenigsten. Dabei werden wir hier in Mitteleuropa Jahr für Jahr, mit dem Kreislauf der Natur konfrontiert, der uns die immer wiederkehrenden Zyklen von Werden und Vergehen vor Augen führt, auch wenn mittlerweile die Jahreszeiten nicht immer klar erkennbar sind. So ist doch der Ablauf des Wachstumszyklus unverändert. Wenn man jetzt diesen und die darin wirkenden archetypischen Kräfte kennt, kann man leicht daraus analoge Assoziationen ableiten.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter markieren nicht nur die vier Jahreszeiten in unseren Breitengraden, diese werden auch astronomisch durch den Sonnenstand gekennzeichnet. Es sind dies die vier Eckpfeiler, die durch die vier astrologischen Zeichen Widder, Krebs, Waage und Steinbock bekannt sind. So kommt es dann dazu, dass der eine im Zeichen Widder, der andere wiederum im Krebs geboren wurde, was bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Geburt jeweils die Sonne von der Erde aus betrachtet, in diesem Zeichen stand.

Zum besseren Verständnis sie hier ergänzend angeführt, dass die Ekliptik, dass ist die Umlaufbahn der Erde um die Sonne,  in 12 Teile geteilt wurde und diese die 12 Tierkreiszeichen darstellen, die aber nicht identisch sind mit den 12 Sternbildern, den tatsächlichen astronomischen Sternenkonstellationen. (siehe auch Grafik 1) Diese 12 Tierkreiszeichen wiederum bilden mit den Planeten die Grundbausteine der Astrologie.

Grafik 1 = Ekliptik mit Sonne, Erde und Tierkreisabschnitte

Grafik 2 = Sonnensystem mit Planeten ohne Mond(dieser kreist um die Erde)

Die Grafik zeigt die Planeten in Ihrer Anordnung um die Sonne, nicht aber ihren tatsächlichen Stand, da sie sich in Wirklichkeit nicht wie hier abgebildet, in einer Reihe befinden.

Zwischen Glauben und Verstehen

Da die Astrologie in ihrer Gesamtheit, wie auf der Grafik oben zu sehen ist, aus vielen Planeten besteht, wird dieses Gebiet sehr komplex und bedarf nicht nur einiger wesentlicher Grundkenntnisse, sondern darüber hinaus auch viel Erfahrung durch eigene Beobachtung und Erkenntnisse.  Wenn man aber die Grundkenntnisse der archetypischen Kräfte kennt, die aus der Naturbeobachtung leicht abzulesen sind, kann man dann auch in den komplexen Bereich der Astrologie eintreten. Dann hat man auch die Möglichkeit, sich aus dem Glauben von vorgefertigten Aussagen Anderer heraus zu bewegen und ein inneres Verstehen zu erlangen.

Diese Gesamtbetrachtung ermöglicht jetzt, die oben erwähnten 2 Varianten der Individual-Astrologie und der Mundan-Astrologie, wobei bei der ersteren noch die Geburtszeit und der Ort erforderlich sind um ein Horoskop zu erhalten.  Die Planetenstände selbst erhält man durch die sogenannten Ephemeriden, die die tatsächlichen Planetenpositionen beinhalten und auch von der NASA verwendet werden.

Die kosmische Uhr

Hier sei der Vergleich einer Kosmischen Uhr angebracht, die je nach Objektivität und Erfahrung des Astrologen gelesen oder gedeutet werden kann, wobei hier durch die Vielheit der Planeten die Schwierigkeit besteht, alle Aspekte in ein Ganzes einfließen zu lassen. Während es bei einer Uhr nur zwei maximal drei Zeiger sind, die gedeutet werden müssen. Doch auch hier kann durch die Kenntnis der Umlaufgeschwindigkeit einzelner Planeten, der zeitliche Rahmen bestimmter Energiequalitäten eingegrenzt werden.

So wissen wir zum Beispiel, dass in den 365 Tagen eines Jahres, die Erde einmal um die Sonne läuft, während die Venus etwa 224 Tage, der Merkur, der sonnennächste 88 Tage, und Pluto der sonnenentfernteste  248 Jahre für einen vollständigen(siderischen) Umlauf brauchen.

Aus dieser Kenntnis heraus ist leicht ersichtlich, dass ein schnell laufender Planet wenig Einfluss auf das kollektive Geschehen hat, während aber ein langsam laufender Planet auch Aussagen über einen längeren Zeitraum zulässt.

Interpretation und Vorhersage

Ist es noch ein leichtes im Frühling, wenn die Sonne im Zeichen Widder steht, die Aufbruchsenergie in der Natur zu beobachten und vielleicht auch selbst zu spüren, so ist es doch dann nicht mehr so leicht, alle Planeten wie, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Chiron, Uranus, Neptun und Pluto, die natürlich in verschiedenen Zeichen stehen, quasi unter einem Hut, in eine Deutung zu bringen.

Angemerkt sei hier natürlich auch noch folgendes, während im Pflanzenwachstum die Pflanzen auf die Wirkkräfte reagieren und keinen Eigenwillen haben, ist es beim Menschen schon etwas anderes, da dieser nicht nur von instinktiven Kräften geleitet wird, sondern darüber hinaus auch den sogenannten freien Willen und seine Denkkraft besitzt.

Was wiederum eine Antwort darauf sein kann, ob es einen tatsächlichen Einfluss der Planeten auf uns Menschen gibt, oder wie es wiederum von vielen Astrologen auch angedeutet wird, dass es hier nur um potentielle Möglichkeiten geht, die durch die Planetenstände angezeigt werden. Der wohl bekannteste und passendste Satz „Wie oben, so unten“ von einem großen Eingeweihten namens Hermes Trismegistos, mag hier wohl am besten verdeutlichen, um was es hierbei geht.

Durch die unterschiedlichen Planetenpositionen, kommt es im Laufe der Geschichte immer wieder zu Veränderungen, die sich nicht nur im persönlichen Leben zeigen, sondern natürlich auch im kollektiven Weltgeschehen.

Damit aber hier nicht der Eindruck entsteht, die Planeten inclusive unserer Erde drehen sich ständig im Kreis um die Sonne, sei hier angemerkt, dass dies bei genauerer Beobachtung falsch ist.

Es ist eine tatsächliche Spiralbewegung die unsere Erde um den Lauf der Sonne vollzieht, da sie sich ja auch um ihre eigene Achse dreht und darüber hinaus, wenn sie einmal die Sonne umrundet hat, nicht wirklich am gleichen Punkt ankommt. Das gilt auch für alle anderen Planeten.

Doch das übersteigt das Vorstellungsvermögen der meisten Menschen die sich nie mit den astronomischen Gegebenheiten beschäftigt haben, ist aber ein wesentlicher Aspekt dafür, dass wir uns bewusstseinsmäßig weiterentwickeln, (Spirale) und eben nicht im Kreis drehen.

Denn unser Sonnensystem mit den ihr zugehörigen Planeten ist kein starres fixes System, sondern dieses bewegt sich ebenso im unendlichen Raum des Universums um eine Zentralsonne. Doch dies wäre schon wieder ein anderes Thema und fällt nicht mehr in den Bereich der Astrologie. Es ist hier nur am Rande angeführt, weil es zwar für unsere aktuelle Situation von enormer Bedeutung ist, nicht aber für diesen Artikel.

Zusammenfassend kann also hier gesagt werden, dass wir anhand der Planetenbewegungen gewisse Zeitströmungen oder Zeitqualitäten ablesen können, die uns aber nicht zu deterministischen Zukunftsprognosen verleiten lassen sollten.

Im nächsten Teil wird dies durch praktische Interpretation verdeutlicht, wie das Weltgeschehen anhand von den Planetenständen gedeutet werden kann.

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